Mentales Training

Ich habe mir die folgende Situation schon oft in Gedanken sehr intensiv vorgestellt: Ich öffne nach der Landung meines Segelflugzeuges die Cockpithaube und gebe einen Freundschrei von mir, weil ich die Strecke über 1000km geschafft habe.

Das ist ein Trick aus dem Mentalen Training: Man erlebt eine bestimmte Situation allein in Gedanken ganz intensiv aus der Ich-Perspektive mit allen Sinneseindrücken. Man stellt sich vor, was man sieht, hört und riecht, was man spürt und was man denkt. Das Gehirn wird dieses imaginäre Erlebnis genauso speichern, als hätte man es tatsächlich erlebt.

Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel komplexe Handlungsabläufe trainieren, ohne sie tatsächlich auszuführen. Und man kann diese Methode dazu nutzen, sein Ziel zu festigen: Ich möchte mir das Gefühl, meinen 1000km-Flug vollendet haben, nicht nur vorstellen, sondern ich möchte es real erleben. Je öfter ich mir die Situation vorstelle, das Ziel erreicht zu haben, desto wichtiger und selbstverständlicher wird es für mich, auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Es ist nachgewiesen, dass beim mentalen Training die selben Hirnbereiche aktiviert sind wie bei der realen Ausübung der Handlung. Man kann also tatsächlich bestimmte Handlungen trainieren, ohne sie wirklich auszuführen.

Du kannst diese Technik genauso nutzen, um deine Ziele zu festigen. Du brauchst aber Ziele, die dir wirklich wichtig ist und die du mit deinem Wunschgewicht in Verbindung bringen kannst: Du stehst vor dem Spiegel in den Klamotten, die du schon immer tragen wolltest, oder du bist im Ziel eines Halbmarathons, stehst auf dem Gipfel eines Berges, den du bestiegen hast. Es ist fast egal, was dein Ziel ist: Male dir in Gedanken in allen Einzelheiten aus, wie es aussieht, wie es sich anhört, wie es riecht und wie du dich dabei fühlst und schreibe das mit allen Details auf einen Zettel. Male es dir nicht nur in Gedanken aus, sondern schreibe es wirklich auf. Beginne deine Sätze mich dem Wort "ich": Ich sehe mich im Spiegel und betrachte meinen flachen Bauch... Ich höre, wie mein Mann mir ein Kompliment macht... Ich spüre, wie sich die Jeans an meinen knackigen Hintern schmiegt...

Du kannst dir beliebige Situationen heranziehen und diese dann in Gedanken durchleben: Wie du mit Leichtigkeit eine Wasserkiste in das 3.OG trägst, wie du auf dem Fahrrad durch die Landschaft fegst, wie du dich vorm Spiegel betrachtest. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, aber es sollen Geschichten sein, die mit deinem Ziel verknüpft sind und die an diesem Ziel real erreichbar sind (also auch keine "wenn-ich-schlank-bin-lösen-sich-auch-meine-finanziellen-Probleme-Träume").

Ein Beispiel könnte so aussehen:
Ich sehe die nächsten Stufen vor mir und setze einen Schritt nach dem anderen. Die Sonne scheint durch die Fenster und wirft ein warmes Licht ins Treppenhaus. Ich atme ruhig und mein Puls ist leicht erhöht. In beiden Händen trage ich eine Wasserkiste und ich spüre den Druck der Griffe in meinen Handflächen. Ich höre die Stufen der alten Holztreppe unter mir knarzen. Als ich das 2. Stockwerk erreiche bleibe ich kurz am Fenster stehen und schaue nach draußen. Mein Blick wandert über die Büsche und Sträucher und die Garagendächer. Ich genieße den Duft der blühenden Bäume, der durch das halb geöffnete Fenster herein weht. Ich drehe mich um und gehe weiter nach oben. Jeder Schritt fühlt sich leicht an und kurz darauf erreiche ich meine Wohnungstür. Ich ziehe den Schlüssel aus der Hosentasche und öffne die Tür, während ich die Wasserkiste mit einer Hand festhalte. Ich spüre ihr Gewicht im Unterarm, aber nun sind es nur noch ein paar Schritte bis zur Küche. Ich lasse die Wohnungstür hinter mir leise ins Schloss fallen und stelle die Wasserkiste im Flur auf den Boden und streife meine Schuhe ab...

Solche "Drehbücher" kann man sich aufschreiben und in ruhigen Momenten rauskramen und sich selbst vorlesen. Die Technik hilft dabei, seine Ziele zu festigen. Gleichzeitig können diese Drehbücher die bereits im Unterbewusstsein vorhandenen Abläufe ersetzen ("jetzt-passiert-bestimmt-das-selbe-wie-beim-letzten-Mal"). Das Problem ist, dass die negativen Gedanken immer ganz von alleine kommen ("das-schaffe-ich-sowieso-nicht") und dass der Verzicht stärker wahrgenommen wird als das, womit man eine alte Gewohnheit ersetzt hat (wie soll man NICHT ans Schokolade essen denken, wenn man sich dafür lobt, gerade keine Schokolade gegessen zu haben?)

Es wird dir gut tun, dich auf dem Weg zu diesem Ziel über deine Fortschritte zu freuen. Das wird dir helfen, auch zwischenzeitliche Rückschläge zu verkraften, ohne gleich aufzugeben. Wenn du dein Ziel hast und fest daran glaubst, dass du es erreichen wirst, dann wird es geschehen und nichts wird dich von deinem Weg abbringen.

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