Gute Vorsätze!

Dieser Artikel kommt vielleicht etwas zu spät, weil die Zeit der guten Vorsätze klassischerweise der Jahreswechsel ist. Aber eigentlich gilt das, was ich dir gerne hinter die Ohren schreiben würde, nicht nur zum Jahreswechsel, sondern das ganze Jahr über.

Zum Jahresbeginn werden wir förmlich überflutet mit Werbung für neue Diäten und Abnehmprogramme: Schlank in 90 Tagen, in 8 Wochen oder nur 4 Wochen. Die Versprechen werden immer skurriler und unhaltbarer, aber das Geschäft blüht. Offensichtlich ist es völlig egal, wie offensichtlich blödsinnig das Angebot ist: Es gibt genügend Menschen, die ihre Hoffnungen auf diese Versprechen richten und wirklich jeden Quatsch mitmachen.

Wer sich in den Abnehmforen umschaut, erlebt in diesen Tagen auch eine Vielzahl von reumütigen Rückkehrern, die irgendwann mal mit einer Diät ein paar Kilos abgenommen und irgendwann wieder aufgegeben haben, und die jetzt aber wirklich und zum allerletzten Mal das Heft in die Hand nehmen und es endgültig durchziehen. Wenn ich sowas lese, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll, denn es ist auch dieses Mal nur eine Frage der Zeit bis die guten Vorsätze wieder den Bach runter sind. Warum fängt man denn ausgerechnet am Jahresanfang mit dem Abnehmen an? Na klar: Die Adventszeit und die Weihnachtsfeiertage, sowie die Sylvesterparty wollte man ja noch in vollen Zügen mitnehmen und es nochmal richtig krachen lassen. Ich denke mir da, dass der Wunsch abzunehmen wohl nicht so wichtig sein kann, wenn man in vollem Bewusstsein im Dezember nochmal 3kg zunimmt.

Verstehe mich nicht falsch. Natürlich kann und soll man die Weihnachtszeit genießen und darf auch mal feiern, aber muss wirklich alles immer zum Exzess ausarten? Ich möchte dir hiermit einen guten Vorsatz mitgeben, der dich bis ans Ende deiner Tage begleiten soll:

Übertreibe es nicht! Mit gar nichts, niemals.

Und wenn du es doch einmal übertrieben hast, dann übertreibe es wenigstens nicht mit dem Übertreiben. Soll heißen: Ausnahmen sind nur dann Ausnahmen, wenn sie nicht die Regel sind, OK? Wenn du jetzt denkst: "Oh je, muss ich ab jetzt immer ganz diszipliniert und eisern sein?" Nein, denn auch das wäre übertrieben. Und wenn du jetzt denkst: "Ich werde ab sofort ganz doll darauf achten, keine Kohlenhydrate mehr zu essen" oder kein Fett oder nie wieder Zucker: Auch das wäre alles völlig übertrieben und würde nicht dauerhaft zum Erfolg führen.

Warum ist das Prinzip des Maßhaltens so schwer zu vermitteln? Die Leute sehen im Fernsehen eine Reportage über die Folgen des ÜBERMÄSSIGEN Zuckerkonsums und schlussfolgern daraus, dass sie nie wieder Zucker essen dürfen. Sie lesen einen Artikel über einen Vitaminmangel und knallen sich eine volle Überdosis an Vitaminpillen rein. Sie realisieren, dass sie sich mehr bewegen müssen und gehen ab sofort jeden Tag bis zum Zusammenbruch ins Fitnessstudio. Ein Extrem jagt das Nächste, aber nichts davon wird länger als ein paar Wochen durchgehalten (zum Glück). Nichts davon nutzt, aber vieles schadet sogar. Wusstest du schon, dass durch Low-Carb Diäten das Schilddrüsenhorm T3 abnimmt und sich dadurch deine Stoffwechselaktivität reduziert? Wusstest du, dass dadurch deine Insulinsensitivität abnimmt und deine Fähigkeit, Kohlenhydrate zur Energiegewinnung zu nutzen, immer schlechter? Nein? Na, dann weißt du es jetzt und vielleicht hilft es dir bei der Beantwortung der Frage, warum bei manchen (vielleicht auch bei dir?) die Abnahme nach anfänglichen Erfolgen ins Stocken geraten ist (natürlich gibt es noch andere mögliche Ursachen).

Im Moment der Selbsterkenntnis, dass es an der Zeit ist, etwas zu verändern, wollen manche Menschen ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen, alles anders machen, alles optimieren... und fallen damit auf die Klappe. Wenn man sein Leben optimieren will, muss erstmal die Basis stimmen. Nicht alles, was du in der Vergangenheit getan hast, war schlecht oder gar falsch und daher musst du auch nicht dein ganzes Leben um 180° drehen. Wenn du etwas verändern willst, dann musst du die Dinge korrigieren, die deinen Zielen im Wege stehen: Zum Beispiel weniger Zucker essen oder trinken, nicht unbedingt gar keinen mehr. Dich mehr bewegen als vorher, vielleicht effektiver trainieren als vorher, aber nicht nur noch nach dem optimalen Training suchen. Weniger Fett essen, aber dafür das Richtige.Vielleicht war deine Ernährung in letzter Zeit zu einseitig und deinem Körper fehlen dadurch wichtige Nährstoffe oder die einseitige Ernährung hat deinen Hormonhaushalt durcheinander gebracht: Dann korrigiere das und bringe es wieder in Ordnung, anstatt alles noch extremer fortzusetzen oder ins genaue Gegenteil zu verfallen.

Bleibe bei dem, was du tust, du selbst und unterwirf dich nicht zwanghaft irgendwelchen Regeln. Finde heraus, was dir guttut und mache es zu deiner neuen Gewohnheit. Mache es dir leicht, die Dinge zu tun, die dir helfen und mache dir die Dinge, die dir schaden, etwas schwerer. Eine Flasche Wasser sollte immer in Griffweite sein, dann trinkst du automatisch mehr. Noch besser ist es, wenn du immer ein volles Wasserglas vor dir stehen hast. Immer wenn du etwas daraus getrunken hast, füllst du es gleich wieder voll. Es darf kein Aufwand sein, ausreichend zu trinken und wenn du ausreichend Wasser trinkst, hast du gar keinen Durst mehr, wenn du an der Colaflasche vorbeikommst. So machst du es weiter, eins nach dem anderen

Versuche nicht, den Erfolg zu erzwingen. Nimm dir Zeit und packe eins nach dem anderen an. Der Erfolg kommt nicht von heute auf morgen, indem du ständig neue extreme Dinge ausprobierst, sondern durch Beständigkeit. Wenn ein Schiff vom Kurs abgekommen ist, dann muss es nicht zurückfahren zu dem Punkt, an dem es den Kurs verlassen hat. Auf dem offenen Meer reicht es, den Kurs um wenige Grad zu ändern, um wieder auf die geplante Route zu kommen. Denke an dieses Bild, wenn du wieder vor hast, beim nächsten Mal wirklich ALLES richtig zu machen, aber eigentlich alles nur noch extremer werden soll als vorher.

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